Tarot Karten
Weise Worte

Wenn die Karten keinen Sinn ergeben

„The tarot is a storybook about life, about the greatness of human accomplishment, and also the ugliness we are each capable of.“
– Benebell Wen

Gestern habe ich zum ersten Mal seit Wochen mal wieder eine Tarot-Legung für mich selbst gemacht. Ein Legesystem von Tarot-Nerds schien mir passend, und ich habe das Deck vorher gründlich geräuchert. Aber das Ergebnis war – unbefriedigend. Nicht im Sinne von „Die Antwort auf meine Fragen gefällt mir nicht.“, sondern im Sinne von Hä?

Es kommt immer mal vor, dass die Karten keinen Sinn zu ergeben scheinen. Dass eine Antwort einfach nicht zur Frage passt, auch wenn man versucht, ganz objektiv zu sein und die klassischen Bedeutungen freier interpretiert. Denn das empfinde ich als ein besonders häufiges Problem bei vielen alternativen Decks, die den einzelnen Karten eine sehr enge Definition aufdrücken. Beim Wildwood Deck ist das leider auch so, vor allem in der deutschen Fassung.

Meine gestrige Legung bestand aus vier Karten. Die vierte ergab sofort Sinn. Die dritte gefiel mir nicht, war aber trotzdem eine inhaltlich sinnvolle Antwort. Die erste Karte sprang mir auf Anhieb als das absolute Gegenteil dessen ins Gesicht, was ich erwartete. Und die Zweite ergab – bezogen auf die gestellte Frage – überhaupt keinen Sinn. Ganz davon abgesehen, dass es eine der unangenehmsten Karten des Tarot war. Aber daran lag es nicht. Und die Legung als Ganzes war mir ein Rätsel.

Ich versuchte eine halbe Stunde lang erfolglos, mir einen Reim darauf zu machen und zog schließlich eine neue zweite Karte. Diesmal war die Antwort klarer, aber irgendwie auch die Fortführung der zuerst gezogenen Nummer Zwei: noch etwas unangenehmer, aber immerhin inhaltlich Sinn machend. Nachziehen ist keine Schande, sondern oft eine Hilfe. Entweder um notwendigen Kontext zu geben oder um bei unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten Klarheit zu schaffen wie das Zünglein an der Waage. Egal, wie ungern man eine Legung „verstehen“ möchte.

Jetzt halte ich mich daran fest, dass jede Karte gute und schlechte Aspekte hat und betrachte das, was mir serviert wurde, in einem möglichst positiven Licht. Sich das Ergebnis „hinzubiegen“ ist eigentlich nicht im Sinne des Tarots. Aber es ist immer noch besser, als das Deck, dem ich mich schon seit einer ganzen Weile nicht mehr verbunden fühle, aus dem Fenster zu werfen. (Das habe ich vor Jahren mit meinem Crowley Deck getan.) Ich warte sehnsüchtig auf die Ankunft meines TRUE BLACK Decks, das immer noch im Zoll festhängt. Es passt viel besser zu meiner momentanen Situation. Wenn es nicht erst im neuen Jahr ankommt, wiederhole ich die gestrige Legung vielleicht noch einmal mit dem neuen Deck. Aber bis dahin muss ich mich mit dem Wildwood Ergebnis herum plagen. Konstruktiv ist das Tarot immer. Ob es einem passt oder nicht.

Danke für das Foto, Jen Theodore