Schloss Egeskov

Das bildschöne Wasserschloss Egeskov auf Fyn in Dänemark erhält seine Geschichte und seine Geschichten bewusst und sehr geschickt am Leben. Man kann Egeskov immer wieder besuchen und es jedes Mal neu erleben. Der besondere Zauber dieses Schlosses scheint sich aus einem schier unerschöpflichen Topf aus Legenden, Mythen und Märchen zu nähren, der mindestens so tief ist wie der Schlossgraben.

Hans Christian Andersen, der große Märchenerzähler, der auf Fyn geboren wurde, war mindestens zweimal zu Gast im Schloss, und es wundert nicht, dass man ihm noch heute – in Form einer lebensgroßen Bronzeskulptur des Künstlers Keld Moseholm – im Schlosspark begegnet.

Der aktuelle Schlossherr scheint selbst ein Meister guter Geschichten zu sein, oder zumindest weiß er diese perfekt in Szene zu setzen. Das Wasserschloss und seine umgebenden Parkanlagen beherbergen diverse Museen, die allesamt frei von staubiger, trockener Langeweile sind. Egeskov ist wie ein nostalgisches Disneyland ohne Fake und Plastik, mit einem uralten Labyrinth, Oldtimern auf zwei und vier Rädern, einem antiken Puppenhaus in den Dimensionen eines Palastes, Mode aus verschiedenen Epochen und Schauspielern, die eine vergangene Zeit zu anfassbaren Leben erwecken.

Mein persönliches Highlight ist allerdings etwas profaner: Der stille Wassergarten, den man wahlweise von Stein zu Stein hüpfend oder über eine knallrote Bogenbrücke durchqueren kann. Ich weiß nicht, was diesen Platz so besonders macht, aber man fühlt sich hier auch ohne kostümierte Darsteller in eine andere Welt versetzt. Oder in ein Märchen. Das vom Froschkönig wahrscheinlich.

Seinen Namen, der im Dänischen „Eichenwald“ bedeutet, erhielt das Anwesen – der Sage nach – weil ein ganzer Wald gefällt werden musste, um das Fundament zu errichten. Aber all die starken Baumstämme werden Egeskov nicht retten können, wenn eines furchtbaren Tages jemand vergessen sollte, die kleine Holzpuppe auf dem Dachboden des Schlosses zur Weihnachtszeit auf frisches Stroh zu betten. Denn dann soll Egeskov im Graben versinken. Wie Atlantis. Mit all seinen Schätzen und Geschichten. Es wäre ein Jammer.

Verwandte Beiträge