Schloss Dyck

Das niederrheinische Schloss Dyck ist zweifellos ein architektonisch bedeutsames und ausgesprochen schönes Wasserschloss. Aber noch viel schöner sind die umgebenden Gärten, die ein eigenes, reichhaltiges Ökosystem bilden. Ich nehme es gleich vorweg: Der Eintritt ist aus meiner Sicht unangemessen hoch. Nicht, weil er es nicht wert wäre oder weil ich die Arbeit, die mit Sicherheit in der Pflege der riesigen Anlagen steckt, nicht würdige. Sondern weil ein erheblicher Teil der Bevölkerung ihn sich nicht leisten kann, was ich bei Kulturgut furchtbar finde. Doch das ist ein anderes Thema und bei Weitem nicht so schön wie das, was man im Dyck’schen Schlosspark entdecken kann. Besonders dann, wenn es dort ruhig ist, also nicht bei Veranstaltungen oder an Wochenenden und Feiertagen.

Ende der 90er Jahre war Schloss Dyck die Kulisse für die Serie „Verbotene Liebe“, später Schauplatz der nordrhein-westfälischen Landesgartenschau. Und das kann man immer noch sehen. Unkontrollierten Wildwuchs sucht man hier vergebens. Normalerweise wäre das für mich ein Minuspunkt, aber die Vegetation rund um das Schloss ist so üppig und variantenreich, dass es die fehlende Natürlichkeit locker wettmacht.

Es gibt einige sorgfältig angelegte Schaugartenbereiche, aber in den abgelegeneren Teilen des Parks dominieren alte, heimische Baumriesen, unter denen Farne, Moose und Flechten wuchern. Auch wegen der vielen Brücken über die drei verschiedenen Wassergräben herrscht dort eine Stimmung wie im Elbenwald. Wohlgemerkt: an ruhigen Tagen. Dem Park kommt außerdem zugute, dass sich auch jenseits der Zäune und Mauern noch Gelände mit Obstanbau, Imkerei und alten Baumbeständen der Stiftung Schloss Dyck anschließt. So wirken die Grünanlagen größer als sie ohnehin schon sind.

Auch die Tierwelt ist vielfältig. Es lohnt sich also, überall etwas genauer hinzuschauen. Insekten, Reptilien, Fische in beachtlicher Größe und vor allem diverse Wasservögel sorgen dafür, dass Schloss Dyck nicht nur in Sachen Kultur bildet: Es gibt ein spannendes Erlebnispädagogikprogramm für Schulklassen und Kindergeburtstage, das ohne die seltene Fauna wohl weit weniger reizvoll wäre.

Der Wasserschlossgarten bei Jülich ist somit für Entdecker und Erholungssuchende gleichermaßen geeignet. Ich habe ihn vor ein paar Tagen als wahre Oase erlebt, als die hochsommerlichen Temperaturen in ganz Europa Rekorde brachen. Kein anderer Park hat es bisher geschafft, mich so tief aufatmen zu lassen. Ich erwäge deshalb sogar die Anschaffung einer Jahreskarte. Die ist auch gar nicht so teuer.

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