Glavendrup-Steine

In einem Wald im Norden der dänischen Ostseeinsel Fyn befindet sich ein Hügelgrab aus der Bronzezeit, das mit einer für die Gegend typischen Steinformation in Form eines Schiffs markiert wurde. Dieses „Schiff“ ist beeindruckende 40 Meter lang, und sein Kiel schmückt ein großer Runenstein, unter dem sich auch die Grabkammer befindet.

Die Inschrift auf dem Stein (die längste auf einem dänischen Runenstein) endet mit einer Drohung gegen all jene, die den Stein beschädigen oder gar stehlen, was meine Nichte veranlasste, sich nach dem Wohlbefinden jener Vögel zu erkundigen, die auf dem Stein Kotspuren hinterlassen hatten. Die Tatsache, dass die Grabkammern zum Zeitpunkt der Entdeckung leer waren, lässt darauf schließen, dass sich Grabräuber ebenso wenig wie die Vögel von dem Fluch beeindrucken ließen. Aber wer weiß schon, was aus ihnen geworden ist…

„Ragnhildr satti stæin þannsi æft Alla Sǫlva, goða vīa, liðs hæiðverðan þegn. Alla syniR gærðu kumbl þausi æft faður sinn ok hans kona æft ver sinn. En Sōti rēst rūnaR þessi æft drōttin sinn. Þōrr vīgi þessi rūnaR. At rǣdda sā verði es stæin þannsi ælti eða æft annan dragi.“

„Ragnhildr placed this stone in memory of Alli the Pale, priest of the sanctuary, honourable þegn of the retinue. Alli’s sons made this monument in memory of their father, and his wife in memory of her husband. And Sóti carved these runes in memory of his lord. Þórr hallow these runes. A warlock be he who damages this stone or drags it to stand in memory of another.“

Die Schiffsetzung selbst wirkt abgesehen von den Zeichen tausendjähriger Verwitterung unversehrt, und rundherum herrscht die typisch friedliche Atmosphäre eines Waldfriedhofs. Es ist sehr ruhig hier, obwohl der Ort zu den größten Sehenswürdigkeiten der Insel zählt. Ein paar weitere Besucher trafen wir lediglich auf der Gedenkstätte mit angeschlossenem Grillplatz, die die Dänen in unmittelbarer Nachbarschaft eingerichtet haben.

Wegen der zusätzlichen Steine der Gedenkstätte und der zahlreichen Wegmarken in Steinform wirken die Glavendrup-Steine in ihrer Gesamtheit noch imposanter. Das schmale Waldstück erscheint wie ein gigantisches Stonehenge unter Bäumen oder ein riesiger Druidenfriedhof. In der Dämmerung ist es sicher sehr unheimlich hier, aber insgesamt hat diese Wikinger-Grabstätte mehr von einem Energie spendenden Kraftplatz als von einem unheilverkündenden Ort mit einem verfluchten Stein.

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