Vor ein paar Tagen hatte mein Vater, der sich seit gefühlten Ewigkeiten in intensivmedizinischer Betreuung befindet, einen Kreislaufstillstand. Es dauerte mehrere Minuten, bis man ihn „zurück holen“ konnte. Seitdem ist er wieder stabil, aber ich hatte noch keine Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen, da eine klare Kommunikation aufgrund verschiedener Faktoren schwierig ist. Vielleicht bekomme ich niemals die Gelegenheit – eine passende Gelegenheit – ihn zu diesem „Erlebnis“ zu befragen. Mein Vater war noch nie der Typ, der sein Inneres nach Außen gekrempelt oder viele Worte über sehr persönliche Erfahrungen verloren hätte.

Aber ich bin neugierig. Nicht nur, weil wohl jeder Mensch eine natürliche Neugier hinsichtlich Nahtoderfahrungen hat, sondern auch, weil selbst aus rein medizinischer Sicht eine solche Erfahrung körperlich und psychisch traumatisch ist und diverse Folgen nach sich ziehen kann.

Ich habe also gegoogelt (nicht zum ersten Mal, aber noch nie so ausführlich wie jetzt) und Gespräche geführt. In Bezug auf die meisten Nahtoderfahrungen gibt es ja letztlich mehr oder weniger banale neurowissenschaftliche Erklärungen für das, was Betroffene berichten. Deshalb fand ich die Erzählungen von Menschen, die dabei gewesen waren, wenn jemand starb, fast interessanter. Vor allem, wenn sie von Personen stammten, denen ich uneingeschränkt glauben kann.

Meine Schwester hat beispielsweise – sehr anschaulich – berichtet, dass sie etwa eine halbe Stunde vor dem Tod ihres Schwiegervaters das sichere Gefühl hatte, es sei jemand gekommen um ihn abzuholen. Eine Geschichte, die man in ähnlicher Form häufig hört. Keine Ahnung, ob das an kultureller Prägung oder stark verbreiteten Narrativen liegt. An Erwartungshaltungen oder an von vielen Emotionen und Gedanken beflügelter Phantasie.

Auch bei vergangenen Wild Woman Nights kamen manchmal solche Erlebnisse zur Sprache. Und neulich gab es wieder einmal einen Twitter-Thread, der sich mit diesem und ähnlichen Themen befasste. Gänsehaut und aufgestellte Haare können genauso ansteckend sein wie Gähnen.

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