Nun ist es schon eine Weile still hier, ganz entgegen meine Pläne und meine Euphorie angesichts meines neuen Büros. Schuld daran sind Komplikationen. Solche der medizinischen Art. Sie betreffen einen der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Meine Situation und besonders mein Zeitmanagement ist dadurch noch schwieriger geworden, als es ohnehin war, seit ich wieder in Deutschland bin. Und meine Gedanken kreisen fast ausschließlich um die Intensivstation und das Grauen, das dort herum zu wabern scheint wie ein heimtückisches Rudel Dementoren: Das merkwürdige Energieloch, dass viele schwanken oder sogar in Ohnmacht fallen lässt und nach dem Besuch dort bleischwere Glieder und abgrundtiefe Müdigkeit verursacht.

„Verlorene Zeit“ nannte eine Pflegerin den Aufenthalt auf einer Intensivstation. Für den Patienten. Vor allem, weil er sich später oft nur noch verschwommen an Bruchstücke dieser Zeit erinnern kann. Aber auch Angehörige haben zuweilen das Gefühl, auf einem verlassenen Bahnhof im Nirgendwo zu stehen und nicht zu wissen, ob jemals ein Zug kommt. Und wenn ja, wohin er fährt.

Ich für meinen Teil verspüre im Moment vor allem Machtlosigkeit, Frust und eine Sinus/Cosinus-Kurve aus Hoffnung und Enttäuschung. Und Wut auf Ärzte, deren fachliche Kompetenz ich nicht anzweifele, deren Kommunikation aber unter aller Sau ist. An dieser Stelle würde ich gerne ein Fass aufmachen, aber ich weiß, dass es sinnlos wäre.

Es wird hier vermutlich noch eine Weile ruhig bleiben.

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